Foto: Montage Chris Zenz

Die Menschen werden wieder zusammenrücken. Das ist die optimistische, geradezu naive Sichtweise auf die Auswirkungen des Coronavirus. Momentan geht es eher in die andere Richtung.

Das Coronavirus ist eine große Bedrohung für die Menschheit. Da gibt es kaum noch zwei Meinungen, es sei denn eine davon vertritt Donald Trump, der hoffentlich von der Krise fortgespült wird und den Amerikanern bestenfalls als Laune der Geschichte in Erinnerung bleibt. Aber rechtfertigt diese Angst wirklich alles? Rechtfertigt sie Denunziation und Blockwartmentalität. Leider geht in diesem Fall der Staat mit schlechtem Beispiel voraus. So geben die Mobilfunker an die Regierung seit kurzem die Bewegungsdaten ihrer Kunden weiter. Derartige Datenschutzverletzungen wären bis vor wenigen Tagen völlig undenkbar gewesen. Nun, werden manche sagen, besondere Zeiten erfordern halt besondere Mittel. Das mag schon stimmen. Das Problem ist nur, dass damit der Vernaderung Tür und Tor geöffnet wird. Schon jetzt sind die Sozialen Medien voll mit Anklagen aller Art.

Die Jungen sind ignorant, die Alten sowieso blöd. Warum dürfen immer noch Flugzeuge landen? Warum hat man Tirol nicht schon vor zwei Wochen abgeriegelt? Ich habe jemanden gesehen, der mehr als zwei Packungen Klopapier gehamstert hat. Warum sind die Grenzen noch immer offen? Diese Versagerregierung hat alles verschlafen – gut, der letzte Satz kommt fast ausschließlich von FPÖ-Seite (zu denen fällt mir ohnehin nichts ein).

Ich weiß. Wir alle sind nervös. Kaum jemand ist krisenerprobt. Unsere Lebensplanung sah eine Pandemie nicht vor. Von den Österreichern, die eine wirkliche Krise erlebt haben, ist leider kaum noch jemand da, der uns mit den Worten „Das geht wieder vorbei“ trösten könnte. Daher müssen wir schnell lernen, uns dieser Situation anzupassen. Anders ausgedrückt: Wir dürfen die Nerven nicht verlieren und sollten uns einen Rest an Contenance bewahren. Man kann es aber auch Entspanntheit, Coolness oder Abgeklärtheit nennen. Wurscht! Seien wir es einfach.

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