Foto: Montage Chris Zenz

Gebildet ist nicht derjenige, der eine Lesekompetenz aufweist, sondern derjenige, der ganz bestimmte Bücher gelesen hat und durch sie geprägt wurde.Das sage nicht ich, das sagt Konrad Paul Liessmann, Österreichs plakativster Intellektueller. Er wendet sich damit einerseits gegen den bildungspolitischen Mainstream und andererseits gegen die Pisa- Studie, bei der wir erwartungsgemäß mittelmäßig abgeschnitten haben. Mist! Dabei haben wir unsere Schule eh schon so an die Anforderungen des Pisa-Tests angepasst. So prägen Lernziele und Kompetenzüberprüfungen seit Jahren den Schulalltag. Und trotzdem geht nichts weiter. Vielleicht sollte man es mit Schummeln, so wie das angeblich andere Länder tun, versuchen? Oder mit der Rückkehr zu Lernmethoden des vorigen Jahrhunderts – inklusive Rohrstaberl?

Kulturnation

Freilich, wer den Sinn von Schule und Bildung nur daran misst, wie erfolgreich man hinterher sein Berufsleben gestalten kann, der ist von den Ergebnissen der Pisa-Studie enttäuscht. Schule sollte aber doch viel mehr sein. Es kann doch nicht angehen, dass wir unser Schulsystem ausschließlich an den Anforderungen des Arbeitsmarktes und damit am ökonomischen Erfolg orientieren. Das ist doch eine Schande für eine Kulturnation – und zumindest in der Vermarktung des Städtetourismus definieren wir uns ja als solche. Wenn wir mit der „Optimierung der Lerninhalte“ so weiter machen, werden wir allerdings bald keine Kulturnation mehr sein, sondern eine Nation dressierter Affen. Lasst die Kinder doch durch ihre angeborene Neugier die Welt entdecken und hört auf, sie zu Tode zu prüfen. Liebe Bildungspolitiker: Nicht für Pisa, sondern fürs Leben lernen wir.