Blick hinter die Kulissen: Neben den täglichen Vorstellungen stehen für den Zirkusdirektor regelmäßige Proben, die Versorgung der Tiere, Schminken und Büroarbeit auf dem Plan. Immer mit dabei: seine Hunde.  Foto: Sarah Raiser

UPDATE: Der Zirkus Louis Knie bittet dringend um Spenden für Mitarbeiter und Tiere. Benötigt wird Futter für die Pferde und Hunde sowie Lebensmittelgutscheine. "Da sich Hofer und Transgourmet gleich in der Nähe befinden, wäre es für uns am einfachsten dort einkaufen zu können", bedankt sich Louis Knie jr. schon im Vorfeld bei jedem, der helfen kann. Die Spenden können direkt beim Zirkus in Seiersberg abgegeben werden. Auch eine Gofundme-Aktion wurde ins Leben gerufen. Hier gibt es alle Infos. 

Die folgende Reportage stammt aus dem Weekend Magazin 6/2020:

Es dauert ein bisschen, bis sich unsere Augen an die Dunkelheit des Zirkuszelts gewöhnen. So ganz ohne Musik, Rummel und Tamtam wirkt es hier fast ein wenig verlassen. Nur ein einzelner Scheinwerfer ist auf die Mitte der Manege gerichtet: Darin wirbeln die Araberhengste Mahal und Kissmet Staub auf. Sie proben für ihren Auftritt am Abend. Ein ganz normaler Vormittag also im Circus Louis Knie.

Wanderleben

Zirkusdirektor Louis Knie jr. beobachtet das Geschehen von der Zuschauertribüne aus. Während er sich mit uns unterhält, gibt er Anweisungen an die Künstler. Rund 50 Menschen und beinahe genauso viele Tiere sind das ganze Jahr über mit ihm durch Europa unterwegs. Von März bis Oktober stehen Vorstellungen in Österreich am Programm, danach geht es für den Zirkus ins Winterquartier nach Frankreich. Wer denkt, dass der Zirkusdirektor dort Urlaub macht, irrt: „Die Tiere müssen das ganze Jahr über versorgt werden und wir proben ja auch ständig neue Nummern“, so der 45-Jährige. Ein Leben ohne Zirkus? Für ihn unvorstellbar.

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Foto: Sarah Raiser

Tierischer Spaß?

Aus diesem Grund steht die Tournee auch unter dem Motto „Ein Leben für den Circus“. Bereits im Alter von sechs Jahren machte der Sprössling einer Zirkusdynastie als jüngster Elefantendompteur aller Zeiten Schlagzeilen. Es folgten Auftritte mit Kamelen, Hunden und Pferden. „Die Tiere sind für mich das Schönste am Zirkus“, schwärmt Knie. „Ich war bereits bei fünf Elefantengeburten dabei. Das sind Momente, die vergisst du dein ganzes Leben lang nicht!“ Aus diesem Grund ist es ihm auch so wichtig, die Menschen darauf hinzuweisen, dass es seinen Tieren gut geht. „Die Tiere sind unsere Partner und so behandeln wir sie auch. Jeder Besucher kann sich da bei uns selbst davon überzeugen“, stellt er klar.

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Foto: Sarah Raiser

Nachfolge

Dass seine Kinder später einmal in seine Fußstapfen treten werden, steht für den zweifachen Familienvater fest. „Aktuell reisen sie nicht mit mir, aber ihnen gefällt meine Arbeit“, schmunzelt er. Leicht hat man es in diesem Beruf allerdings nicht: „Die Zuschauer sind viel kritischer geworden. Heute musst du mehr bieten als nur den Clown mit großen Schuhen.“ Auch die aktuellen Corona-Beschränkungen stellen sein Unternehmen vor Herausforderungen. Daher hat man auf drei Vorstellungen am Tag erhöht und lässt nur maximal 100 Personen ins Zelt.* „Alles andere wäre für uns existenzbedrohend“, so der Direktor. Und dann muss er auch schon zu den Proben: Die Show muss schließlich weitergehen.

*Stand: 13.3.2020

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