Betont angriffslustig zeigte sich Michael Schickhofer im Interview mit dem Weekend Magazin. Foto: geopho.com

Weekend: Herr Landeshauptmannstellvertreter, glauben Sie eigentlich an Wunder?
Michael Schickhofer: Ehrlich gesagt glaube ich an harte Arbeit, die Familie, gute Vorbereitung und großes Engagement.

 
Weekend: Sie wissen aber, worauf ich hinaus will – glaubt man den Umfragen, kann nur noch ein Wunder der SPÖ am 15. Oktober zu Platz eins verhelfen?

Michael Schickhofer: Auch Hillary Clinton war haushoch vor Trump, Strache hat die Wien-Wahl praktisch schon gewonnen gehabt – die Umfragen sind das eine, das Wahlergebnis das andere. Je stärker wir uns jetzt nicht mehr mit Mails, Strategien oder sonstwas  beschäftigen, sondern mit dem, wohin es für Österreich gehen soll, umso stärker sind wir jetzt im Aufschwung. Du musst nun halt die Unterschiede zwischen der SPÖ und der Bewegung Sebastian Kurz, die früher einmal die ÖVP war, festmachen.


Weekend: Was wäre denn so ein Beispiel für einen Unterschied?
Michael Schickhofer: Wenn wir Familienpolitik und Politik für Kinder betreiben, dann wollen wir Verbesserungen für jedes einzelne Kind in Österreich, unabhängig davon, ob das Einkommen der Eltern hoch ist oder nicht. Und wenn ich den Kindern wirklich helfen will, erhöhe ich die Familienbeihilfe, da hat jedes Kind das gleiche davon. Wenn ich aber sage, du kannst da bei den Steuern was absetzen, ist der, der ohnehin schon in der 50-Prozent-Steuerklasse ist, der, der anständig profitiert – die Alleinerzieherin, die 1.200 Euro verdient, hat überhaupt nichts davon. Anderes Beispiel: Wenn der Schäuble sagt, dass sich ganz Deutschland Mehrausgaben in der Höhe von 12 Milliarden leisten kann und der Wunderwuzzi sagt, 15 Milliarden sind in Österreich kein Problem, frage ich mich schon, wie das funktionieren soll?

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Michael Schickhofer fordert eine griffigere Abgrenzung seiner SPÖ zur ÖVP von Sebastian Kurz. Foto: geopho.com

Weekend: Wie erklären Sie sich aber den Zuspruch für den „Wunderwuzzi“, wie Sie ihn nennen?
Michael Schickhofer: Wenn jemand so auftritt, als ob er mit all dem nichts zu tun hat, obwohl er fünf Jahre in der Regierung gesessen ist – dazu eben ein, zugegeben gutes, Marketingkonzept hat – dann braucht es eben, bis man merkt, dass hinter dem Marketingkonzept etwas steht, das als Produkt nicht sonderlich qualitativ ist. Ich verstehe das ja, da steht ein unbeschriebenes Blatt und da kann ich alles hineininterpretieren, was ich mir wünsche. Er sagt etwa, er ist christlich-sozial – dabei hat dieses Programm mit christlich-sozial überhaupt nichts zu tun. Ähnlich ist es mit der Liberalität: Wenn ich sage, dass du nur mehr in der klassischen Familie erfolgreich bist und ich nicht sehe, dass es Alleinerzieher, Patchwork-Familien und homosexuelle Paare gibt, dann hat das nichts mit Liberalität zu tun. Wir sind also damit konfrontiert, dass jemand was vorgibt, das mit seinem Tun nichts zu tun hat.


Weekend: Irgendwie hat man aber das Gefühl, dass ohnehin alles von einem Thema überlagert wird, der Asylthematik – und hier ist es offensichtlich so, dass Sebastian Kurz viel mehr für eine restriktivere Politik steht als der Bundeskanzler, was der ÖVP ja auch zu nutzen scheint …
Michael Schickhofer: Wofür Kurz steht, kann ich nicht beurteilen – tun tut er jedenfalls nichts. Im Gegensatz dazu gibt’s die klare Kern-Doskozil-Linie. Doskozils Flieger stehen für die Abschiebung von Illegalen bereit, dazu müssten aber eben der Justiz- und Innenminister auch ihren Job erledigen. Es stimmt, dass wir einen pragmatisch, sachlichen Zugang zu diesem Thema haben und eben nicht zusätzlich Ängste schüren wollen. Wir wollen die Probleme lösen und sie nicht groß machen, um daraus politisch Kapital zu schlagen. Das ist das, was sich unterscheidet.


Weekend: Vornehm formuliert war der bisherige Wahlkampf der SPÖ etwas holprig, was würden Sie rückblickend anders machen?
Michael Schickhofer: Ein paar Mails vom siebenten Zwerg von links sind sicher daneben gegangen. Und auch, dass wir uns den Silberstein hätten sparen können, darüber sind sich Christian Kern und ich einig. Gerade auf inhaltlicher Ebene hab ich aber noch keinen Punkt gesehe, wo es eine falsche Positionierung gegeben hat. Man sollte sich eben genau anschauen, was man inhaltlich wählt, damit man nicht danach, wie bei Trump oder teilweise auch Macron, überrascht ist, was kommt – und das ist Schwarz-Blau.


Weekend: Also, wenn man Zweiter wird, geht man in Opposition …
Michael Schickhofer: Das ist eine realistische Analyse. Die Wahlprogramme sind ja nahezu ident. Da hat man inhaltlich viele Deckungsabgleiche mit Blau. Inhalte für reich und rechts, die man versucht, christlich-sozial zu tarnen.


Weekend: Wie muss man sich eigentlich zu Wahlkampfzeiten Ihr Verhältnis zum Reformpartner und Landeshauptmann vorstellen?
Michael Schickhofer: Die Zusammenarbeit im Sinne unseres gemeinsamen Programmes verläuft absolut konstruktiv und partnerschaftlich. Bei bundespolitischen Themen gibt es natürlich Auffassungsunterschiede – was mich bei Hermann Schützenhöfer teilweise auch wundert. Er war ja immer einer, der die christliche Soziallehre ins Zentrum gestellt hat. Und aktuell fragt man sich eigentlich, ob bei der ÖVP überhaupt noch jemand für Sozialpolitik zuständig ist.


Weekend: Denken Sie eigentlich noch oft daran, dass die SPÖ 2015 als stimmenstärkste Partei der ÖVP den Landeshauptmann quasi geschenkt hat?
Michael Schickhofer: Das war und ist ja ganz leicht mit einer schwarz-blauen Mehrheit im Landtag erklärbar. Natürlich wäre ich jetzt gerne Landeshauptmann – aber ich habe das so zur Kenntnis genommen und jetzt geht es darum, sich auf 2020 vorzubereiten und in dieser Konstellation einen guten Job für die Steiermark zu machen.


Weekend: Letzte Frage: Wie soll eigentlich die Steiermark aussehen, in der Ihre Kinder aufwachsen?
Michael Schickhofer: Ganz einfach – wenn ich sie in den nächsten 20 Jahren führen kann, dann wird sie sicher gut aussehen …

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