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Unheimliche Fratzen, laute Kuhglocken und struppiges Fell – in der Vorweihnachtszeit treiben die Krampusse im ganzen Land ihr Unwesen. Seit Ende November finden nahezu jeden Tag in der Stadt Salzburg Veranstaltungen statt. Darunter nicht nur traditionelle Rummel, sondern auch gigantische Events mit Choreographie, Pyrotechnik und fetzigem Sound. Während sich die einen auf die Mega- Shows mit Nervenkitzel und jeder Menge Unterhaltungswert freuen, kritisieren andere den Eventcharakter als fernab des Brauchtums und Kommerzialisierung.

Ist das wirklich so und wo liegt die Grenze zwischen Brauchtum und modern interpretierter Tradition? Wir haben zwei Experten um Ihre Meinung gefragt. Wer sich selbst überzeugen möchte, findet sich am 5. oder 6. Dezember im Gasteinertal ein, wo Krampusse noch wie anno dazumal Hausbesuche machen. Die „Demons of Darkness“ sind u. a. am 8. Dezember in Maxglan zu sehen und eine Riesen- Show gibt‘s zum Beispiel beim „Anifer Krampuskränzchen“ oder Grödiger „Höllencircus“.

Pro Krampus-Shows: Patrick Moser, Demons of Darkness/Obmann & Show-Organisator, Salzburg

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Foto: privat
„Große Krampus-Shows zu bieten, heißt nicht, vom Brauchtum abzukommen – ganz im Gegenteil. Traditionen modernisieren sich und viele Menschen gehen gerne auf Events, bei denen Spaß und Spannung geboten werden. Meine Pass-Kollegen und ich haben uns viele Krampusläufe angesehen, bei denen alle Abläufe standardisiert waren. Das heißt, die Krampusse laufen durch die Menge, es wird immer dasselbe geboten und der Wow-Effekt fehlt. Für 2020 planen wir daher selbst einen speziellen Event. Als Veranstalter hat man gestalterisch mehr Spielraum, um verschiedene Zielgruppen anzusprechen. Man kann sowohl coole Shows für Erwachsene als auch Kinderprogramme bieten. Wir bauen gerne Masken-Ausstellungen oder Kids-Nachmittage als Vorprogramm ein. So können wir auch Angst abbauen und einen Zugang zur Tradition schaffen.“

So sieht zum Beispiel die jährliche Show der Anifer Krampusse im Friesacher aus:

Contra Krampus-Shows: Hans Strobl, Gauobmann der Pongauer Heimatvereine, St. Johann im Pongau

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Foto: wildbild

„Veranstaltungen mit zehntausenden Besuchern, lauter Discomusik und Showcharakter haben für mich nichts mit Brauchtum zu tun. Es geht nur noch um Kommerz! Zudem wird der Jahreskreis nicht eingehalten: Eigentlich sollten Krampusläufe nur am 5. und 6. Dezember durchgeführt werden. Mittlerweile geht es aber schon einen Monat früher los und sogar am Hohen Frauentag (8. Dezember) finden Veranstaltungen statt. Und wer wird dabei komplett vergessen? Der Nikolaus, obwohl er die wichtigste Figur ist und das Gute symbolisiert. Er ist Herr über die Krampusse und hält sozusagen das Böse im Zaum. Bei großen Krampus-Shows sind Aufwand und die Verantwortung für Veranstalter zu groß, immer wieder kommt es zu massiven Ausschreitungen. Und das wirft mitunter ein schlechtes Licht auf eine jahrhundertealte Tradition.“

In Gastein ziehen die Krampus-Passen inklusive Nikolaus traditionell von Haus zu Haus: