Das ist die Keimzelle des heutigen Bürmoos: die Glasfabrik von Ignaz Glaser im Jahre 1900. Foto: Archiv Alois Fuchs

2017 steht unter dem Zeichen des Jubiläums „50 Jahre Bürmoos“ und zwischen dem 24. Juni und dem 1. Juli (das ist der historische Gründungstag) kulminieren die Feierlichkeiten mit einer Veranstaltungswoche. Die rund 5.000 Bürmooser feiern nichts mehr und nichts weniger den Aufstieg ihres Ortes von einer bescheidenen Arbeitersiedlung zu einer der reichsten Gemeinden im Bundesland Salzburgs. Und sie feiern auch ihre Gemeindegründung. Bis 1967 gab es nämlich gar kein Bürmoos als eigenständige Verwaltungseinheit. Das heutige Ortsgebiet gehörte bis dahin zu gleichen Teilen zu St. Georgen und Lamprechtshausen.

Landtagsbeschluss. Die Einrichtung von Bürmoos als Gemeinde vor 50 Jahren hatte rein politische Gründe. Aufgrund des hohen Arbeiteranteils in der Bevölkerung gab es in St. Georgen einen SPÖ-Bürgermeister und Lamprechtshausen einen roten Vizebürgermeister, was nicht im Sinne der damaligen schwarzen Landesregierung war. Sie setzte im Landtag mit den Stimmen der FPÖ die Isolierung der roten Enklave durch – gegen den Widerstand in den beiden Gemeinden, wo man die Abspaltung gar nicht wollte. Prompt wählten die Bürger nach der erzwungenen Ortsgründung auch einen SPÖ-Bürgermeister. Es handelte sich um Karl Zillner, der dieses Amt bis 1983 ausübte.

Torf und Lehm. Dort wo heute Bürmoos ist, war noch vor 200 Jahren eine komplett unbesiedelte Moorlandschaft. Erst langsam setzte im 19. Jahrhundert mit dem Torfabbau eine wirtschaftliche Nutzung ein. Die dicke Lehmschicht unterhalb des händisch ausgestochenen Torfs wurde ab etwa 1850 auch zur Ziegelproduktion genutzt. Später kam es aufgrund des in Hülle und Fülle vorhandenen Brennstoffs wie auch der Rohstoffe (Sand vom Haunsberg und Kalkstein von der Salzach) zur Ansiedelung einer Glasfabrik.

Glück mit Glas. 1881 erwarb der aus Böhmen stammende jüdische Fabrikant Ignaz Glaser aus der Konkursmasse der vier Jahre zuvor geschlossenen Glashütte die Betriebsgebäude und ein großes Moorgebiet. Er nahm die Produktion wieder auf und erweiterte die Fabrik auf vier mit Torf beheizte Glasöfen. Glaser gründete daneben auch eine Ziegelei, die bis in die 1970er Jahre existierte. Einen Teil der Glasproduktion verlagerte Glaser allerdings 1913 nach Böhmen, weil man dort die Öfen mit Kohle beheizen konnte, während in Bürmoos der Torf allmählich zur Neige ging und man bei dessen Abbau zu sehr vom Wetter abhängig war.

Zusammenbruch 1929. Nach dem Tode des Gründers während des ersten Weltkriegs übernahm dessen Sohn Hermann Glaser die Fabriken. Er versäumte aber den Umstieg auf maschinelle Flachglasfertigung und im Jahr 1926 machte er Konkurs. Die Firma Stiassny übernahm das Werk und erzeugte weiterhin Tafelglas, sperrte dann aber die Fabrik ohne Vorankündigung Ende 1929 zu. 80 Prozent der 1.000 Menschen zählenden Arbeitersiedlung wurden mit einem Schlag arbeitslos.

Armenhaus. Durch das Ende der Industrie brach eine schwere Zeit über die „Bürmooser“ Glas- und Torfarbeiter und ihre Familien herein. Viele zogen nach Brunn im Gebirge, wo es eine Glashütte gab, manche verdingten sich beim Bau der Großglockner Hochalpenstraße. Viele landeten als „Ausgesteuerte“ und überlebten nur mit Betteln und Beerensammeln. In den 1930er Jahren galt die Siedlung im Moor als „Armenhaus“ Salzburgs.

Großer Arbeitgeber. Der Aufschwung kam wieder mit der Industrie. 1944 flüchtete das „W & H Dentalwerk“ vor den Bomben in Berlin und zog in die leerstehenden Gebäude der ehemaligen Bürmooser Glasfabrik ein – dort ist der Hersteller von feinmechanischen Instrumenten und Geräten für die Zahnmedizin noch heute. Der Salzburger Vorzeigebetrieb beschäftigt von rund 1.000 Mitarbeitern die überwiegende Mehrzahl in Bürmoos. Und das Moor – es liefert heute nicht mehr den Brennstoff für die Industrie, sondern dient der Erbauung. Und erholt sich dank Renaturierung.