Der Rubel rollt: Aus Russland stammen einige der reichsten Männer der Welt Foto: champja/iStock/Thinkstock

"Bei der Neuanschaffung des Löschfahrzeugs hat uns der Besitzer vom Gut Brunntal, Herr Rashid Sardarov, mit einer großzügigen ­Spende von 30.000,– Euro unterstützt", heißt es auf der Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Rohr im Gebirge. Nachsatz: "Wir hatten Gelegenheit, uns bei Herrn Sardarov persönlich zu bedanken." Auf dem Foto posieren die Florianijünger mit Sardarov vor dem gespendeten Feuerwehrauto. Der stämmige 60-Jährige hat den Arm über die Schulter des Nebenmanns gelegt, trägt eine Caprihose und Badeschlapfen. Das entspricht nicht unbedingt dem Bild, das man sich von ­einem Milliardär macht.

Reich mit Öl

Und doch gehört Sardarov zur Riege der 500 Superreichen Russlands. Er ist im Ölgeschäft reich geworden und Gründer der "South Ural Industrial Group" mit einem geschätzten Vermögen von 3,5 Milliarden Euro. Für die Hochzeit seiner Tochter Victoria in Prag ließ er Robbie Williams für eine Gage von 1,6 Millionen Pfund einfliegen. Als er 2007 Rohr am Gebirge als Jagd- und Freizeitdomizil erkor, wurden nach und nach 35 Millionen Euro in einen Herrschaftssitz samt Gästehaus und großem Naturteich gesteckt. Ein 660 Hektar großes Jagdrevier beherbergt Rot-, Dam- und Steinwild sowie Gemsen, Mufflons und Wildschweine.

Wohltäter

Der Hausherr weilt im Schnitt sechsmal pro Jahr auf dem Gut. War man anfangs in dem 500-Seelen-Dorf wenig angetan, einen "reichen Russen" als Grundeigentümer vor der Nase zu haben, ist man jetzt hellauf begeistert. Sardarov hat über einen von ihm gegründeten Verein insgesamt bisher eine Million Euro für die zwei Gemeinden gespendet, auf denen sein Besitz liegt. Mit dem Geld konnten etwa Volksschulen saniert und ein Freibad erhalten werden. Er ist volksnah und radelt schon mal ins Gasthaus, um dort eine Kürbiscremesuppe zu löffeln.

Attersee-Schloss

Sardarov ist wohl der leutseligste der russischen Magnaten, die Österreich für sich entdeckt haben. Von Igor Iwanowitsch Schuwalow ist nicht bekannt, dass er sich in Wirtshäusern am Attersee blicken lässt. Dort soll seit 2006 der ehemalige erste Vize-Premierminister der Regierung Putin und jetzige Vorsitzende der russischen Staatsbank das "Waldschlössl" bei Burgau plus 24.000 Quadratmeter Grund besitzen. Kolportierter Kaufpreis damals: sechs Millionen Euro. Genaues weiß man nicht, weil im Grundbuch eine Liechtensteiner Stiftung als Eigentümer eingetragen ist. Aber es wird kein Zufall sein, dass Schuwalows Privatjet den nahen Flughafen Salzburg so verdächtig oft anflog. Allein 18-mal sei das 2015 vorgekommen, hat der russische Opposi­tionspolitiker Alexej Nawalny akribisch recherchiert. Es wird auch gemunkelt, dass Schuwalow, der als potenzieller Putin-Nachfolger gehandelt wird, das Haus im Auftrag des Kremls gekauft hat, quasi als diskrete Regierungsdatscha im Ausland.

Der Oligarch

Während der (inoffiziell) unter Korrup­tionsverdacht stehende Schuwalow gute Gründe hat, ­seinen Reichtum nicht allzu sehr an die große Glocke zu hängen, hat Oleg Deripaska das nicht nötig. Er ist ja nicht Politiker, sondern Unter­nehmer. Zwar geriet der Oligarch, der einst der reichste Mann Russlands war, wegen der US-Sanktionen gegen seine Aluminium- und Technologiekonzerne heuer stark unter Druck, legte deren Leitung zurück und musste auch auf die Strabag-Dividende (Deripaska hält 25,9 Anteile am österreichischen Baukonzern) verzichten, aber gänzlich verarmen wird der Selfmade-Milliardär in diesem Leben wohl nicht mehr.

Investment in Lech

In Österreich ist Deripaska im Unterschied zu den USA, wo ein Einreiseverbot gegen ihn besteht, willkommen. Ein nettes Asset in seinem Vermögen ist das Fünf-Sterne-Superior Hotel "Aurelio" in Lech am Arlberg. Es repräsentiert einen Wert von rund 30 Millionen Euro und gilt als luxuriösestes Ski-Hotel der Welt. Die Suiten kosten in der Hochsaison bis zu 6.000 Euro, für das Club-Chalet sind 44.000 Euro pro Nacht auszulegen. Kein Wunder, dass die internationale Klientèle vielfach aus den Superreichen der Forbes-Liste besteht, denen das Personal jeden Wunsch von den Augen abliest.

Die Milliardärin

Auch Elena Baturina (Privatvermögen: 1,2 Mrd. Dollar) ist von den österreichischen Alpen angetan – sie schlug in Kitzbühel ­Wurzeln. Die Ex-Gattin des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow kaufte 2006 das gerade im Bau befindliche Luxushotel "Grand Tirolia" samt angeschlossenem Golfplatz um 25 Millionen Euro. Doch anders als das Aurelio, wo man dank hoher Preise und der Devise, "klein, aber fein" schnell Gewinne machte, kam der große Kasten in Kitzbühel nie so richtig aus den roten Zahlen heraus. Vor Kurzem trat Baturina das Hotel an einen unglamourösen, aber tüchtigen Investor aus Niederösterreich ab, der den kolportierten Kaufpreis von 45 Millionen Euro ­allerdings sofort dementierte. Die Milliardärin bleibt der ­Gemeinde Kitzbühel trotzdem ­erhalten, ihr Nobel-Anwesen unweit der Hahnenkamm-Abfahrt behält die leidenschaft­liche Reiterin weiterhin. Die Liebe der Russen für Österreich erwachte Anfang der neunziger Jahre. Wien war aufgrund der geografischen Lage ein idealer Ort für internationale Geschäftstätigkeit zwischen West und Ost. Das damals noch strenge Bankgeheimnis, das Stiftungsrecht, die solide Währung und die im Vergleich zum "Wilden Osten" ruhige Sicherheitslage zogen die Neo-Unternehmer magisch an.

1.000 Stiftungen

Auf die Niederlassungen folgten die Immobilien-Investments. Über Stiftungen mit Gesellschaften in Liechtenstein oder der Schweiz als offiziellem Eigentümer konnten auch Deals abgewickelt werden, die für Nicht-EU-Bürger zu kompliziert gewesen wären. Bis heute dürfte es in Österreich weit über 1.000 derartige, auf den russischen Geldadel zugeschnittene Konstruktionen geben. So ist das Zinshaus mit der noblen Adresse "Kohlmarkt 6" im ersten Wiener Gemeindebezirk seit 2005 offiziell im Besitz einer Gesellschaft in Vaduz, die aber wiederum zum Firmengeflecht des Mil­liardärs Roman Abramovitsch gehört. 27 Millionen Euro sollen damals für das unter Denkmalschutz stehende Gebäude gezahlt worden sein.

Rückzugsort Wien

Unnötig zu sagen, dass man in den ­vielen Nobel-Geschäften rund um den Kohlmarkt längst auch Russisch spricht – der Stammkundschaft wegen. Seit etwa zehn Jahren zieht es nämlich im Gefolge der Oligarchen auch die Oberschicht und die obere Mittelschicht der russischen Föderation oder der Ukraine an die ­schöne blaue Donau. Es sind Unternehmer, hochrangige Regierungsmitarbeiter oder Top-Manager, die ihre Familien in diskreten Dachgeschosswohnungen des "Ersten" oder in Grinzing, Hietzing oder Wieden unterbringen und die Kinder auf eine der interna­tionalen Schulen schicken.

Villa in Grinzing

Schwer zu sagen, ob Alexander Matytsyn schon der Liga der Oligarchen angehört oder nur ein millionenschwerer Top-Manager ist. Der 1961 geborene Russe ist Vizepräsident von Lukoil, des sechstgrößten Erdölkonzerns der Welt und dessen Finanzchef. Vor Kurzem gab Matytsyn eine Pressekonferenz, bei der er die wichtige Rolle des Standorts Wien für das Unternehmen unterstrich, das hier seine Auslandsaktivitäten bündelt. Matytsyn hat sich übrigens vor drei Jahren eine Villa in Grinzing zugelegt. Die 23,81 Millionen, die der Manager für die Immobilie ausgab, waren sogar für den Nobelbezirk Döbling ein Liebhaberpreis.

Die reichsten Russen nach Vermögen im Jahr 2018 in Milliarden US-Dollar:

  1. Vladimir Lissin (Vorstandsvorsitzender des Stahlkonzerns Novolipetsk Steel) - 19,1 Milliarden US-Dollar
  2. Alexei Mordahsow (Auch ein Stahlbaron: Chef und Eigner der Severstal-Gruppe) - 18,7 Milliarden US-Dollar
  3. Leonid Mikhelson (CEO von Novatek. Der Konzern fördert Öl und Erdgas) - 18,0 Milliarden US-Dollar
  4. Vagit Alekperov (Der ehemalige Ölarbeiter ist heute Chef von Lukoil) - 16,4 Milliarden US-Dollar
  5. Gennadi Timtschenko (Ein Putin-Vertrauter, der mit Ölhandel reich wurde) - 16,0 Milliarden US-Dollar
  6. Roman Abramovich (Der FC Chelsea-Eigner hat sich einen israelischen Pass zugelegt) - 10,8 Milliarden US-Dollar
  7. Oleg Deripaska (Der Gründer der Konzerne En+ und Rusal ist jetzt EU-Bürger) - 6,7 Milliarden US-Dollar

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