"Charakterlich ist im Umkreis des H. C. Strache, er selber mit eingeschlossen, niemand regierungsfähig", so Schnell. Foto: Franz Neumayr

Weekend: Herr Schnell, welche Partei werden Sie diesen Herbst ankreuzen?

Karl Schnell: Die Freie Partei Salzburgs. Wir werden bis Ende Juni entscheiden, ob wir antreten oder nicht. Wir sind dies auf jeden Fall den Bürgern schuldig. Ich bekomme diesbezüglich ermutigende Anrufe auch aus anderen Bundesländern. Man darf ja nicht vergessen, dass Strache ja auch in Tirol oder Oberösterreich viele fähige Leute ausgeschlossen hat.

Weekend: Halten Sie die Oppositionspartei FPÖ für regierungsfähig?

Karl Schnell: Es gibt sicher einige Personen, die intellektuell dazu in der Lage wären. Aber charakterlich ist im Umkreis des H. C. Strache, er selber mit eingeschlossen, niemand regierungsfähig.

Weekend: Und die FPÖ auf Landesebene?

Karl Schnell: Welche Landespartei? Es gibt die FPÖ im Landtag ja gar nicht mehr – die haben nur mehr eine Abgeordnete. Wir haben fünf.

Weekend: Mit wieviel Stimmen rechnen Sie bei der Landtagswahl? Laut einer IMAS-Umfrage kommt Ihre Freie Partei auf nur 1,5 Prozent.

Karl Schnell: Laut den verlässlichsten Umfragen liegt die ÖVP an erster Stelle und das blaue Wählerlager an zweiter Stelle. Die Frage, zu welcher Person diese riesige Wählergruppe tendiert – zu Schnell oder zu Svazek – ist noch lange nicht entschieden. Das wird noch sehr spannend werden.

Weekend: Die neue Landesparteiobfrau könnte Ihre Tochter sein. Empfinden Sie Ihre Absetzung als Parteichef auch als Generationenkonflikt?

Karl Schnell: In allen Völkern und Kulturen ist Seniorität ein wichtiges Prinzip und darüber hat man sich auf perfide Weise hinweggesetzt. Langjährige Erfahrung ist ein wichtiges Kriterium für einen politischen Führungsanspruch. Jugendlichkeit kann nicht ausschlaggebend sein.  

Weekend: Ist ihr Haider-Bild heute anders als früher, nach der Aufarbeitung des Hypo Alpe Adria-Skandals?

Karl Schnell: Jörg Haider war zu Beginn seines Weges das größte politische Talent Österreichs. Er hat auf Missstände hingewiesen, die heute noch bestehen, wie zum Beispiel die Zwangsmitgliedschaft in den Kammern oder die Notwendigkeit der Entbürokratisierung der Wirtschaft. Hätte er in diesem Geist weitergemacht, wäre er früher oder später Kanzler geworden. Ab der Gründung des BZÖ schlug er einen unseriösen Weg ein und begann, auf die falschen Leute zu hören. Von da an hatte er auch nicht mehr meine Zustimmung.

 

Dr. Karl Schnell ist Arzt und Politiker. 2015 wurde er aus der FPÖ ausgeschlossen, worauf er die "FPS" gründete, die fünf Landtagsmandate, zwei Sitze im Nationalrat und einen im Bundesrat innehat. Schnell wird sein Ambulatorium demnächst an seinen Sohn übergeben.