„Das neue Kärntner Raumordnungsgesetz sollte im Sinne der Chancengleichheit die ebenerdigen Parkplätze in den Ortskernen ermöglichen.“ Paul Bacher, Direktor SPAR Kärnten/Osttirol Foto: SPAR/Gleissfoto

weekend: Nachhaltigkeit hat bei SPAR einen hohen Stellenwert und Sie investieren heuer mehr denn je in Standorte und Modernisierung?
Paul Bacher: Wir nehmen heuer rund 30 Millionen Euro in die Hand, um unsere Märkte, die Zentrale in Maria Saal und auch die TANN in Wernberg zu modernisieren und zu erweitern. Die TANN in Wernberg etwa wird mit dem umweltfreundlichsten Kühlmittel, das es derzeit gibt, ausgestattet. 

weekend: Nachhaltiges Denken bzw. Fairness fordern Sie vom neuen Kärntner Raumordnungsgesetz. Inwiefern?
Paul Bacher: Der Gesetzesentwurf hat aus meiner Sicht gute Ansätze, in denen es um die Wiederbelebung von Orts- und Stadtkernen geht. Das ist für uns ein gangbarer Weg. Aber: Man sollte auf die Chancengleichheit nicht vergessen. Wenn wir nämlich keine ebenerdigen Parkplätze haben dürfen, haben wir gegen die Märkte an den Ortsrändern und den Onlinehandel keine Chance. Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass Hoch- und Tiefgaragen nicht gerne genutzt werden.

weekend: In welche Richtung entwickelt sich der Geschmack der Kunden?
Paul Bacher: Wir haben im Bio-Bereich die größten Zuwächse verzeichnet. Was jedoch vermehrt auffällt: Regionalität schlägt Bio. Und da sind wir mit „Naheliegendes bei SPAR“ auf einem sehr guten Weg. Wir arbeiten mit lokalen Produzenten und sorgen so für kurze Transportwege. Unsere Produkte vom Krappfeld beispielsweise werden morgens geerntet, sind bis zehn Uhr bei uns in der Zentrale und in nur wenigen Stunden in den Supermärkten. Menschen greifen gern zu Sachen, deren Produzenten sie (persönlich) kennen.

weekend: Beim Thema Nachhaltigkeit gehört die Mitarbeiterbindung nicht einfach dazu, sondern ist für Sie der wichtigste Punkt.
Paul Bacher: Wir wurden kürzlich als familienfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet, weil wir uns in diesem Bereich wirklich viel Mühe geben. Vor allem aber legen wir viel Wert auf die Aus- und Weiterbildung unserer (zukünftigen) Mitarbeiter, die unter anderem in unserem Ausbildungszentrum in Villach das nötige Rüstzeug bekommen. Jedes Jahr nehmen wir 100 neue Lehrlinge auf, um unseren Stand von 300 Auszubildenen halten zu können und um unsere zukünftigen Führungskräfte selbst auszubilden. Auch neue Mitarbeiter bekommen eine intensive Ausbildung, theoretisch mittels e-learning und praktisch in den speziellen Ausbildungsfilialen, von denen es 15 in Kärnten und Osttirol gibt. Wir investieren also viel in unsere Mitarbeiter, um ihnen zu zeigen, dass wir sie behalten wollen.

 

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Paul Bacher ist seit sieben Jahren SPAR-Direktor für Kärnten und Osttirol Foto: SPAR/Gleissfoto
weekend: Der Sonntag ist Ihnen als Tag der Entschleunigung heilig?
Paul Bacher: Wir sind überzeugt, dass wir mit den erlaubten 72 Stunden pro Woche das Auslangen finden und der Sonntag frei bleiben soll. Allerdings wünsche ich mir für Filialen, die im Sommer auch sonntags offen haben dürfen, eine andere Regelung. Anders als in anderen Bundesländern dürfen diese Filialen derzeit in Kärnten die 72 Stunden nicht überschreiten. Was bedeutet, dass wir unter der Woche die Stunden einsparen und die Öffnungszeiten ändern müssen.

weekend: SPAR kümmert sich nicht nur um Mitarbeiter und Kunden, sondern auch um jene, die es nicht besonders einfach haben im Leben?
Paul Bacher: Wir sind sehr im sozialen Bereich engagiert, arbeiten mit Soma und Foodsharing zusammen, an die wir nicht mehr verkäufliche aber gute Ware weitergeben. Weiters kooperieren wir mit der Caritas - „Coffee to help“ und der Markt in Villach für Langzeitarbeitslose sind nur zwei Beispiele, wie wir nachhaltig auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Wissenswert

Paul Bacher betreut als SPAR-Direktor für Kärnten und Osttirol 69 SPAR-Filialen mit rund 2.000 Mitarbeitern, beliefert 65 selbständige SPAR-Kaufleute und sechs INTERSPARS. Insgesamt arbeiten 3.350 Menschen unter dem Dach des einzigen österreichischen Lebensmittehändlers. Weitere Infos finden Sie hier