Seit 1997 mit den "Liebesg'schichten" auf Sendung: Elizabeth T. Spira Foto: Starpix/picturedesk.com

Zehn Folgen lang suchen Menschen ein letztes Mal nach ­Liebe und Aufmerksamkeit. Danach soll mit der Kult-Sendung Schluss sein – aber kann die Regisseurin Elizabeth T. Spira wirklich loslassen? "Warum sind Sie alleine?“ Wenn die rauchige Stimme von Elizabeth T. Spira aus dem Off ihre berühmte Einstiegsfrage stellt und Kandidaten vor der Kamera nervös zu schwitzen anfangen, ist das der Start einer weiteren Staffel ­"Liebesg’schichten und Heiratssachen". Die Kult-Serie geht diesen Sommer in die 22. Runde und beginnt mit einer ­ersten Bilanz: Wer hat denn durch die Serie schon sein Glück gefunden?

Liebe auf den ersten Blick

Da gibt es die 54-jährige Roswitha aus Innsbruck, die sich mit sechs Männern getroffen und "ihren Hans" gefunden hat. Oder den 50-jährigen Pietro aus der Steiermark, den es bei einem Bussi auf die Wange auch "voll erwischt" hat. Ihre teils dramatischen oder lustigen Geschichten und ihre Suche nach der einen großen Liebe verfolgten 2017 rund 966.000 ZuschauerInnen. Die seit 1997 laufende Kuppelshow ist mit 35 Prozent Marktanteil und durchschnittlich einer Million ZuseherInnen pro Staffel eine der erfolgreichsten Sendungen des ORF. Das Format erreicht mehr als die Hälfte der TV-Bevölkerung in Österreich.

Aber was ist das Erfolgsgeheimnis der beliebten Serie? Ihre nicht unumstrittene Macherin, Elizabeth Toni Spira. Die Regisseurin der Sendung steht als Interview-Partnerin der vorgestellten KandidatInnen nicht im Vordergrund, sondern hinter der Kamera. Ihr Grundsatz ist es, den Menschen zu vermitteln, dass sie ihr ohne Scheu und Angst ihre Geschichten erzählen können, und das so natürlich wie möglich.

Unterhaltung geht vor

Einer der häufigsten Kritikpunkte an der Kuppelshow ist, dass sie die KandidatInnen vorführe und im Fernsehen lächerlich mache. Das sieht die Regisseurin anders, denn den Kandidaten sei sehr wohl bewusst, was sie vor der Kamera von sich preisgeben. "Wichtig ist mir nur, dass ich nichts verzerre, nichts manipuliere. Ich darf nicht aus einem kleinen Arschloch ein großes Arschloch ­machen", verteidigt Spira das Konzept der Sendung. Jede Folge ist gleich aufgebaut. Es wird bewusst auf ein Studio verzichtet, da man die KandidatInnen in deren gewohnter Umgebung treffen möchte. Aus der Wohnungseinrichtung eines Menschen erfährt das Publikum viel über dessen ­Gewohnheiten und Lebensstil.

A bissal a Liebe

Die Sendung beginnt mit der bekannten Titelmelodie, der deutschen Interpretation von Paul Ankas "Lonely Boy". Sie heißt "Mein Herz für ein Herz zu geben", stammt von Peter Kraus und wurde für den ORF von Hans Krankl, dem ehemaligen österreichischen Fußballer, eingesungen. Einer der – oft unfreiwillig komischen – Höhepunkte der Sendung: Bei der Vorstellung der KandidatInnen ("Was suchen Sie?") werden sie beim Ausüben ­ihrer Hobbys gezeigt. Spira: "Die meisten wollen gerne Rad fahren oder spazieren ­gehen. Also wir sind immer heilfroh, wenn jemand sagt tanzen oder singen. Mehr als vier Leute dürfen in der ­Staffel nicht Rad fahren."

Fremdschämen

Der Spannungsbogen ist von der Regisseurin genau durchdacht und geplant: In jeder Sendung werden sieben Kandidaten ­gezeigt, männliche und weibliche Teilnehmer wechseln sich ab. Am Anfang, in der Mitte und am Ende sind die spannendsten Porträts platziert. Ein wichtiger Grund für den Erfolg der Serie ist der ­Voyeurismus, beziehungsweise die Schaulust und der Narzissmus der ZuschauerInnen. Diese schämen sich für die Fremden, fühlen sich dadurch besser und gleichzeitig unterhalten. Das Format wird einerseits zu einer Attraktion, im Sinne einer "Freakshow", andererseits gibt Spira den KandidatInnenen das Gefühl ernst genommen und gehört zu werden.

Kein Ende in Sicht

Spira über ihre Interviews: "Schüchternheit, Stille, Vereinsamung – das gehört zur Sendung." Mit der Liebe kenne sie sich nicht aus, so die 75-jährige Regisseurin. Die gebürtige Schottin, deren Eltern im Zweiten Weltkrieg flüchteten und 1946 zurück nach Wien kamen, ist mittlerweile zu ­einer Kultfigur geworden. Die schwarzen krausen Locken und die rauchige Stimme sind unverkennbar zu ihrem Markenzeichen geworden. Ob Spira nach der 22. Staffel wirklich aufhört oder nicht, steht nach wie vor in den Sternen. Obwohl sie noch Anfang März ihre Pensionierung ­angekündigt hatte, hält sich Elizabeth T. Spira eine mög­liche weitere Staffel nach wie vor offen. Aber so ist sie eben: süchtig nach Geschichten – süchtig nach ihrem eigenen Format.

Zahlen sprechen für sich

Der Erfolg der Serie ist messbar: In 212 Folgen wurden 1.043 einsame Herzen porträtiert. Davon fanden 282 ihr Glück: 46 heirateten, davon fünf gleichgeschlechtliche Verpartnerungen. Es erblickten bereits vier "Liebesg’schichten und Heiratssachen"-Babys das Licht der Welt. Insgesamt 3,645 Millionen Östereicher­Innen sahen 2017 zumindest kurz eine der zehn Ausgaben, die damit zur erfolgreichsten Saison seit 2012 wurde. Das entspricht 49 Prozent der ­österreichischen TV-Bevölkerung ab 12 Jahren und ist somit der weiteste Kreis an ZuseherInnen, die die Serie mindestens eine Minute durchgehend ­geschaut haben.

Elizabeth T. Spira

Die 75-Jährige wurde am 24. Dezember in Glasgow geboren – ihren Namen spricht man laut Spira "Schpira" aus. Sie hat einen Doktor der Publizistik, war lange Journalistin beim profil und ist seit 1973 Redakteurin beim ORF. 1997 erfand Spira die Kuppelshow und ist deren Moderatorin und Regisseurin.