Mit guten Leistungen bei der Europameisterschaft möchte sich Daniel Dicker für ein Engagement im Ausland empfehlen. Foto: GEPA pictures

weekend: Die Heim- Europameisterschaft steht vor der Tür. Weißt du schon, ob du fix dabei bist?
Daniel Dicker: Nein, den fixen Kader für die Euro gibt es noch nicht. Pajo (ÖHB- Teamchef Ales Pajovic, Anm. d. Red.) hat aber den 28-Mann-Kader bekanntgegeben – da bin ich einmal dabei.

weekend: Überwiegt die Vorfreude oder die Nervosität?
Daniel Dicker: Aktuell ist es noch im Rahmen. Ich bin ja noch mit der HSG Graz im Meisterschaftseinsatz. Spätestens, wenn wir dann mit der Vorbereitung für die EM anfangen, steigt sicher auch die Nervosität.

weekend: Du bist im Team ein wichtiger Baustein im Innenblock der Deckung und bekommst viel Spielzeit. Ist das ein entscheidender Faktor, dass du dabei bist? Und wie zufrieden bist du mit deiner Rolle?
Daniel Dicker: Es ist sicher nicht schlecht, wenn man viel spielt. Das zeigt, dass man wichtig für die Mannschaft ist und in den Überlegungen des Trainers vorkommt. Mit der Rolle bin ich prinzipiell voll zufrieden – es ist aber sicher kein Geheimnis, dass ich auch vermehrt im Angriff zum Einsatz kommen will. Es ist aber so, dass ich auf meiner Position mit Nikola Bilyk und Alexander Hermann ziemlich starke Konkurrenz habe. Im Angriff muss ich mir jede Minute Einsatzzeit erkämpfen.

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In der Abwehr ist Daniel Dicker schon ein fester Bestandteil des Nationalteams. Aber auch im Angriff will sich der Grazer Einsatzzeiten erkämpfen – mit Nikola Bilyk und Alexander Hermann gibt es auf seiner Position aber starke Konkurrenten. Foto: GEPA pictures

weekend: Ihr habt in der Vorrundengruppe Tschechien, Ukraine und Nordmazedonien. Was kann man sich da erwarten?
Daniel Dicker: Ich denke, wir können uns auf drei spannende Spiele einstellen. Es ist zwar keine Weltklasse-Mannschaft wie Frankreich oder Norwegen dabei, aber es sind drei wirklich gute Gegner, die wir nicht unterschätzen dürfen. Es ist sicher nicht die schwierigste, aber eine sehr ausgeglichene Gruppe. Drei knappe Siege sind genauso möglich, wie drei knappe Niederlagen.

weekend: Habt ihr intern schon ein Ziel ausgegeben?
Daniel Dicker: Unser Ziel ist, die Hauptrunde zu erreichen. Dann kann man weiterschauen. Wenn wir in unserer Gruppe drei Siege einfahren sollten, stehen die Chancen auch in der Hauptrunde nicht schlecht, eine gute Platzierung rauszuholen. Das Wichtigste sind aber die ersten drei Partien.

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Foto: GEPA pictures

weekend: Habt ihr euch schon mit den Gegnern etwas beschäftigt?
Daniel Dicker: Wir Spieler haben noch keine Videos angeschaut oder uns näher mit den Gegnern auseinandergesetzt – die Trainer natürlich schon. Als ich vor Kurzem mit Pajo nach Wien und wieder zurück gefahren bin, haben wir natürlich viel geredet. Er hat mir erzählt, dass er schon fleißig Videos studiert und schaut, was die Gegner so spielen.

weekend: Apropos Trainer, du hast den alten Nationaltrainer, Patrekur Johannesson, erlebt. Was ist der Unterschied zwischen den beiden?
Daniel Dicker: Ich denke, es hat sich an der Taktik schon ein bisschen was geändert. Pajo ist ein Trainer, der nicht unbedingt viele Spielzüge und taktische Vorgaben hat, diese sollen aber perfekt gespielt werden. Bei Johannesson war es teilweise so, dass wir mehr Spielzüge gehabt haben, die aber nicht so gut ausgeführt haben. Das Augenmerk von Pajo liegt aber ganz klar auf der Deckung. Er will eine stabile Abwehr aufs Parkett stellen, aus der wir schnell nach vorne spielen und leichte Tore erzielen können.

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Foto: GEPA pictures

weekend: Siehst du die Euro als Sprungbrett für einen Wechsel ins Ausland?
Daniel Dicker: Auf jeden Fall. Ich glaube, die Euro ist neben den Weltmeisterschaften die beste Bühne, um Teams auf sich aufmerksam zu machen. Ziel ist es, einmal eine gute Euro zu spielen und dann vielleicht den Sprung zu wagen. Ob das so funktioniert, wird man erst im Nachhinein sehen.

weekend: Wenn du es dir aussuchen könntest: Wo soll es hingehen?
Daniel Dicker: Mich würde die Deutsche Bundesliga reizen, aber auch ein Zweitligaverein mit Aufstiegsambitionen wäre eine Option. Mein Traumverein seit der Kindheit ist der THW Kiel, aber da bin ich ehrlich gesagt so realistisch, dass das wahrscheinlich nichts werden wird.

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Foto: GEPA pictures

weekend: Eine Vorrundengruppe wird in Graz gespielt. Warum sollte man sich unbedingt ein Spiel live in der Halle anschauen?
Daniel Dicker: Vor allem in Graz ist eine unglaubliche Atmosphäre vorprogrammiert. Das Spiel zwischen Kroatien und Serbien wird die Halle in einen Hexenkessel verwandeln. Auch als Fan von anderen Sportarten sollte man sich das einmal angeschaut haben und miterleben, was da für eine Stimmung ist.

Balkan-Feeling in Graz

Vorrundengruppe Graz: Nach der Premiere 2010 wird auch bei der kommenden Euro wieder eine Gruppe in Graz ausgespielt. Mit Kroatien, Weißrussland, Montenegro und Serbien dürfen sich die steirischen Handballfans über eine attraktive Gruppe freuen. Vor allem die Balkan-Duelle sollten für eine volle Stadthalle und eine spektakuläre Atmosphäre sorgen. Tickets für die Graz-Spiele gibt’s unter www.oeticket.com