Vielen Skifahrern ist gar nicht bewusst, dass sie abseits der Pisten den Lebensraum der Wildtiere kreuzen Foto: Fabio Pupin / FLPA / picturedesk.com

Im Winter stellen die heimischen Wildtiere auf Sparflamme um. Sie senken ihre Körpertemperatur und schränken ihre Aktivitäten auf ein Minimum ein. „Jede Störung bedeutet, dass die aufgescheuchten Tiere mehr Energie verbrauchen, als sie zu Verfügung haben“, sagt Landesjägermeister Max Mayr-Melnhof. Mehrmaliges Flüchten könne da zu Krankheit, großer Schwäche und sogar zum Tod führen. Besonders kritisch sei die Situation für jene Tiere, die über der Waldgrenze überwintern. Dazu gehörten laut Mayr-Melnhof insbesondere Gams- und Steinwild, aber auch das Schnee- und Birkhuhn oder der Schneehase.

Auf der Flucht

Der Lebensraum oberhalb der Waldgrenze ist also hochsensibel. Tourengeher, Schneeschuhwanderer, Freerider und Paragleiter dringen heutzutage regelmäßig in ihn ein. Vor allem das Gamswild wird aus seinem Lebensraum verscheucht und ist zum Teil gezwungen, in den tiefer gelegenen Wäldern zu überwintern. Dort muss es sich mangels Alternativen von den Wipfeln kleiner Bäume ernähren, die dadurch schwer geschädigt werden. Neben finanziellen Einbußen für den Grundeigentümer bedeutet das vor allem, dass die Wälder ihrer Schutzfunktion beraubt werden.

Flurschäden

Hirsche und Rehe werden mittlerweile in den Bergwäldern gefüttert, weil das Wild aus seinen ursprünglichen Revieren, den Augebieten der Täler, längst weichen musste. Wird es bei den Futterkrippen und den daran anschließenden Einständen von Freizeitsportlern gestört, kommt es oft tagelang nicht mehr zurück und frisst Baumwipfeln und Rinde, was zur Waldschädigung führt. Aber auch die Variantenskifahrer selbst verursachen immer wieder Flurschäden. Brettern sie ungestüm durch Wiederaufforstungszonen, zerstören sie oft mit den Kanten der Ski die kleinen Bäume.

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Foto: Willfried Gredler-Oxenbauer / picturedesk.com

„RespekTiere“

Weil das Verhalten der Freizeitsportler eine Überlebensfrage für den Wald und besonders für die Wildtiere ist, wurde 2003 von der Vorarlberger Landesregierung die Initiative „Respektiere deine Grenzen“ (auch „RespekTiere“) gegründet. Es gehe um „Information und Aufklärung“, wie auf der Homepage zu lesen ist, denn „nur wer die komplexen Zusammenhänge unseres Lebensraumes und die Wechselwirkungen versteht, zeigt Respekt vor der Natur und ihren Bewohnern.“ In Salzburg steht der Landwirt, Berufsjäger und Historiker Hubert Stock aus Werfen hinter der Initiative. Stocks wichtigstes Anliegen: Karten, in denen die Ruhezonen des heimischen Wilds eingezeichnet sind. Bis Winter 2018 sollen sie zur Verfügung stehen. Mittelfristiges Ziel ist es, dass diese Ruhezonen in allen relevanten Skitourenführern und vor allem auch auf den wichtigsten Tourenplanungsplattformen eingearbeitet werden.

Reini Herbst als Unterstützer

Vor kurzem konnte Hubert Stock den ehemaligen Spitzensportler und Olympiasieger Reinfried Herbst als Testimonial und Unterstützer gewinnen. „Auch als Tourengeher bleibe ich auf der markierten Route“, betont Herbst. „Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass der Wald das Wohnzimmer der Tiere ist. Die Wintermonate sind hart für das Wild und eine Belastung. Vor allem, wenn sie in ihren Einständen gestört werden und flüchten müssen.“

Facts

  • Wie kann ich auf die Natur Rücksicht nehmen?
  • Schilder, Markierungen und „Ruhezonen“ beachten!
  • Fütterungen und freien Äsungsflächen des Wildes großräumig ausweichen!
  • Während der Dämmerungs- und Nachtzeit nicht mehr im Wald oder am Berg aufhalten!
  • Wiederaufforstungsflächen meiden!

www.respektieredeinegrenzen.at