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Die Fans des SK Sturm zeichnen sich durch Leidensfähigkeit aus. Im Schnitt folgen auf eine gute drei schlechte Saisonen. Und doch steht die Kurve wie ein Mann hinter dem Team. Zumindest war das bis zu den KO-Spielen gegen Rapid so. Nach einer Reihe von unterirdischen Leistungen versagte der Anhang aber ausgerechnet in den für Europa entscheidenden Finalspielen der Mannschaft den Support. Völlig zu Recht, wie auch Roman Mählich nach dem Rapid-Match meinte: „Die Kurve ist sehr korrekt uns gegenüber – vielleicht sogar zu korrekt“. Der Verein reagierte auf den Fanprotest nach dem immer gleichen Muster: Rauswurf des Trainers. 

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Populismus

Gerade in der Trainerfrage ließ man sich immer wieder zu populistischen Entscheidungen hinreißen. Nicht zuletzt war auch Roman Mählich, der Mann aus der glorreichen Sturm-Zeit, der ORF-Analytiker, der mit dem Stallgeruch, eine solche. Wie lange das bei den Fans zählt, haben die Verantwortlichen gesehen. Den gleichen Fehler hat man schon mit Darko Milanic begangen. Man wird den Eindruck nicht los, dass gerade Trainer-Entscheidungen beim SK Sturm nicht nach fachlichen Gesichtspunkten, sondern danach getroffen werden, ob man selbige der Presse und den Fans gut „verkaufen“ kann.

Fehlende Philosophie

Der alljährliche Trainerwechsel resultiert vor allem daraus, dass Sturm seit Jahren keine Spielphilosophie entwickelt hat. Die Mannschaft spielt jedes Jahr ein anderes System. In der abgelaufenen Saison waren es gar mehrere. Zunächst versuchte es Heiko Vogel mit Ballbesitz, ehe unter Roman Mählich der italienische Catenaccio ein unrühmliches Comeback feierte. So bleibt unterm Strich nicht mehr, als ein Dahinwurschteln, das auf Zufall aufgebaut ist. Nichts anderes als der Zufall hat letztes Jahr den Cuptitel geholt.

Sturm alt

Was ist eigentlich aus den schönen Schlagwörtern „Sturm neu“ und „Karriereplattform“ des Präsidenten geworden? Nicht viel, wirft man einen Blick auf die Neuzugänge der letzten Saison. Außer Otar Kiteishvili wurde fast ausschließlich „totes Kapital“ verpflichtet: Hosiner, Lackner, Avlonitis, Ferreira, Pink, Grozurek, Dominguez. Allesamt keine Perspektivenspieler, die man vielleicht mal teuer verkaufen kann. Da hilft es auch nichts, wenn Günter Kreissl, der für den Kader verantwortlich zeichnet, dann und wann auf die Mannschaft „bitterböse“ ist. Das Durchschnittsalter des Kaders liegt um fast zwei Jahre über jenem der erfolgreichen letzten Saison und wirkt mit 28 Spielern aufgebläht. Mehr Masse als Klasse – hatten wir das nicht auch schon zu Fodas Zeiten?

Kleine Brötchen

Dabei braucht Sturm Transfererlöse wie einen Bissen Brot. Die Schwarz-Weißen sind von den Budgets, die Austria Wien, Rapid und Salzburg zur Verfügung stehen, meilenweit entfernt. Insofern ist es nichts anderes als Großmannssucht, wenn man sich mit diesen Vereinen zu den „großen Vier“ zählt. Letztlich ist Sturm ein Provinzklub, dessen Möglichkeiten am Sponsoring-Markt eingeschränkt sind. Umso wichtiger ist es, junge, talentierte Spieler zu verpflichten, die nach ein, zwei Jahren verkauft werden können. Holt man aber Spieler wie die oben Genannten, werden die Transferkassen in Zukunft leer bleiben. Denn jeder Spielerberater wird bestätigen, dass ein österreichischer Spieler über 25 Jahre kaum noch ins Ausland transferiert werden kann. 

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Sturmtief: Präsident Christian Jauk und Sportdirektor Günter Kreissl stehen gewaltig unter Druck. Foto: GEPA pictures

Wirklichkeit schlägt Anspruch

Letztlich scheitert der Verein auch immer an seinen eigenen Ansprüchen. Jedes Jahr muss man in den Top Vier landen und ein Europa-Ticket lösen. Zu sehr schielt man auf den kurzfristigen Erfolg, meint, die Fans würden nicht mehr ins Stadion kommen, wenn man nicht um Titel mitspielt. Die Zahlen sagen etwas anderes. Die Fans kommen nämlich trotz der Erfolge nicht. So verbuchte man in den letzten zwei Jahren empfindliche Zuschauerrückgänge, obwohl man jeweils die Qualifikation für Europa und sogar einen Cupsieg schaffte. Offensichtlich ist es dem Großteil der Zuschauer wichtiger, guten Fußball zu sehen, jungen, aufstrebenden Spielern auf die Beine zu schauen und nicht nach grottenschlechten Spielen den Weg nach Europa zu feiern. 

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Resetknopf

Es ist zu befürchten, dass der Sturm-Karren tiefer im Dreck steckt, als man sich eingestehen möchte. Der Verein täte gut daran, die Krise zu nützen und ein längerfristiges Konzept auszuarbeiten. Dafür braucht es in erster Linie die richtigen personellen Weichenstellungen. Der nächste Trainer muss die Zeit bekommen, um der Mannschaft ein eigenständiges Gesicht zu geben. Die größte Herausforderung steht aber Günter Kreissl in der Kaderplanung bevor. Der finanzielle Spielraum für Neuverpflichtungen ist gering, der aufgeblähte Kader nicht einfach zu reduzieren.

Die Trainer der Jauk-Ära: 

  • Roman Mählich 205 Tage (20 Spiele, Punkteschnitt: 1,35)
  • Heiko Vogel 308 Tage (38 Spiele, Punkteschnitt: 1,39)
  • Franco Foda 1188 Tage (135 Spiele, Punkteschnitt: 1,68)
  • Darko Milanic 474 Tage (53 Spiele, Punkteschnitt: 1,42)
  • Peter Hyballa 343 Tage (33 Spiele, Punkteschnitt: 1,55)
  • Franco Foda 86 Tage (10 Spiele, Punkteschnitt: 1,40)

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