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Wer nach Japan reist, spürt immer noch einen Hauch von Shogun, der Fernsehserie aus den 80er-Jahren. Die stolzen Samurai-Krieger haben ihre Schwerter allerdings gegen Krawatten, neben Visitenkarten das Statussymbol schlechthin, eingetauscht. Man gibt sich in Tokio sehr formell, die ganze Stadt folgt einem strengen Zeremoniell. Alles ist geregelt und – man hält sich an die Regeln. Wenn die Hotelbar Mitternacht schließt, schließt sie um Mitternacht – und nicht 10 Minuten später. War eh gut, in Anbetracht des Monsterprogramms, das die Delegation zu absolvieren hatte.

Erstarrt

Das strenge Regelwerk hat aber auch seine Tücken. Japan kämpft seit Jahren mit einem stagnierenden Wirtschaftswachstum. Beobachter führen das vor allem auf die Starrheit des Systems zurück. „Wer in Japan Geschäfte machen will, braucht Geduld“, erzählt Ingomar Lochschmidt, der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Tokio. Es könne drei bis fünf Jahre dauern, bis ein Geschäft unter Dach und Fach sei. Dann allerdings, so Lochschmidt, habe man einen Partner fürs Leben. Schwierig, in Zeiten, wo die Schnellen die Langsamen fressen, denken sich viele. Zudem herrsche in Japan so etwas wie eine „Mia san mia“-Mentalität, will heißen: Japanische Produkte sind durch nichts zu ersetzen.

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Steiermark trifft Japan. WKO-Vizepräsident Jürgen Roth, LR Barbara Eibinger-Miedl und IV-Präsident Georg Knill. Foto: Weekend Magazin

Zukunft

Freilich, wenn man in die Welt der Kawasaki Robostage eintaucht, ist von der japanischen Verzopftheit wenig zu spüren. Der Showroom in Odaiba ist mehr als ein Spielplatz für Erwachsene, es ist ein Fenster in die Zukunft. Oder das AVL Tech Center in Kawasaki, einer Millionenstadt, die an Tokio angewachsen ist. Praktische alle gängigen Marken sind dort auf dem Prüfstand. Man experimentiere mit jeder Antriebsform, erklärt AVL-Japan-CEO Harald Alge. Welcher Antrieb am Ende das Rennen mache, werde spannend und sei heute noch nicht absehbar.

Andere Welt

Nach drei intensive Tagen geht’s weiter nach Seoul, knapp drei Flugstunden von Tokio entfernt. Schon am Weg vom Flughafen ins Hotel wird klar: die Südkoreaner haben den Fuß am Gas. Die Stadt pulsiert im Vergleich zu Tokio. Das macht sich leider auch auf den Straßen bemerkbar. Staus zu jeder Tages- und Nachtzeit und durch die Stadt hetzende Menschen prägen das Bild. Das Smart Traffic Center, dem wir einen Besuch abstatteten, versucht die Verkehrsüberlastung zu minimieren – ohne sichtbaren Erfolg.

E-Mobilität

Heuer wurde die Wachstumsprognose Südkoreas zwar auf 2,4 Prozent herabgesetzt, in den letzten 15 Jahren lag diese aber meist über drei Prozent. Eine Forschungsquote von 4,6 Prozent hat Südkorea zu dem Start-up-Hotspot Asiens werden lassen. Innovation wird an allen Ecken und Enden Seouls groß geschrieben. Im Gegensatz zu Japan gibt man sich weltoffen und fördert den Export. Steirische Unternehmen haben vor allem im Bereich Automotive und E-Mobilität Chancen. In diesen Sparten hinkt Südkorea hinterher, möchte aber so schnell wie möglich den Anschluss finden. Man fördert daher den Umstieg auf E-Autos wie kein anderes Land auf der Welt.

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Der LG Science Park ist der größte Forschungspark Koreas und beherbergt künftig 22.000 Wissenschaftler. Foto: Weekend Magazin

Elektronik

Unsere nächste Station ist das „Samsung Electronics und Innovation Museum“. Im Gegensatz zu Japan, wo Englisch im wahrsten Sinne des Wortes eine Fremdsprache war, wird hier in perfektem Englisch präsentiert. Das fast 11.000 Quadratmeter große fünfstöckige Museum zeigt die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Elektroindustrie. Das Museum befindet sich am Standort des Samsung Headquarters, einer Stadt in der Stadt. In 28 Gebäuden arbeiten 33.000 Menschen von insgesamt 320.000 weltweit.

Elektronik 2

Der nächste Tag führt uns in den LG Science Park, den größten Forschungspark Koreas. Auf einer Gesamtfläche von 275 ha und 18 Gebäude sollen künftig 22.000 Wissenschaftler in den Bereichen Elektronik, Biotechnologie, Software und Telekommunikation forschen. Da wird noch einiges kommen, das wir uns heute noch gar nicht vorstellen können: eine schöne, neue Welt.

„Müssen uns nicht verstecken“ – Interview mit Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl

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Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl. Foto: Weekend Magazin

Frau Landesrätin, Sie waren kürzlich mit einer Wirtschaftsdelegation in Tokio. Was waren die wesentlichsten Erkenntnisse?
Barbara Eibinger-Miedl: Für mich war sehr spannend zu sehen, dass man hier in Japan nicht nur über Industrie 4.0 nachdenkt, sondern auch über Society 5.0. Man bezieht alle gesellschaftlichen Veränderungen, hervorgerufen durch die Digitalisierung, mit ein.

In Japan sieht man künstliche Intelligenz als eine Art Gegenmittel zur Überalterung der Gesellschaft. Sehen Sie bei uns ähnliche Entwicklungen?
Barbara Eibinger-Miedl: Japan hat als alternde, schrumpfende Gesellschaft extreme Herausforderungen zu stemmen. So kennen wir das in Österreich glücklicherweise nicht. Für die Steiermark ergeben sich aber vielleicht gerade dadurch Chancen im Export, weil wir ja im Bereich Humanmedizin oder der Pflege auch an solchen Lösungen arbeiten.

Roboter in der Pflege?
Barbara Eibinger-Miedl: Natürlich kann die menschliche Betreuung durch nichts ersetzt werden. Aber ich denke schon, dass auch in diesem Bereich Roboter nützlich sein können, vor allem für Menschen, die alleine leben.

Viele Menschen sehen Robotic als Bedrohung. Sie auch?
Barbara Eibinger-Miedl: Keineswegs. Ich sehe das sehr wohl als Chance. Und die Steiermark braucht sich bei diesem Thema nicht zu verstecken. Durch unsere hohe Forschungsquote von fast 5 Prozent können wir mit Ländern wie Japan durchaus mithalten. Das haben mir auch die Vertreter der Wissenschaft, die an dieser Reise teilgenommen haben, bestätigt.

Wird eines Tages der Großteil der Menschen nicht mehr arbeiten müssen, weil alles von Robotern erledigt wird?
Barbara Eibinger-Miedl: (lacht) Also, da zitiere ich jetzt Hermann Schützenhöfer, der immer wieder erzählt, dass auch schon vor Jahrzehnten davon gesprochen wurde, dass uns eines Tages die Arbeit ausgehen wird. Wie man sieht, ist das bis heute nicht eingetreten. Ja, die Arbeitswelt wird sich verändern. Automatisierte Tätigkeiten werden zukünftig wohl von Maschinen erledigt. Aber die menschliche Kreativität wird auch in Zukunft wichtig sein, und selbstverständlich Berufe, die mit Dienstleistungen zu tun haben.