Salz in der Rennsuppe: riskante Manöver, die Fans den Atem stocken lassen Foto: Antonio Calanni/AP/picturedesk.com

Steht ganz Italien still, liegt nicht zwangsläufig Streik in der Luft. Steckt rund um die toskanische Perle Mugello eine Verkehrskarawane im Stau, weiß nicht nur der gelernte Motorrad-Maniac: Der Grand Prix gastiert wieder in der Heimat von Valentino Rossi, der unangefochtenen Ikone im MotoGP-Zirkus. Weekend Magazin stand mit am Start.

Dramatik pur

Der neunfache Weltmeister mit seinen mittlerweile 40 Lenzen, so was wie der Robbie Williams unter den GP-Piloten, kam am ersten Juniwochenende total aus der Spur, bei Rossi-Hardcore-Fans flossen die Tränen. Nach einem Hundertsteldrama und einem Vierkampf bis zur letzten Kurve wurde nach der Zielflagge gleich wieder geweint. Diesmal vom Triumphator: Landsmann Danilo Petrucci war da gerade auf seiner Rakete – made in Italy – aufs Siegertreppchen gerast. Eine Premiere für den 28-Jährigen. Nicht nur die Ducati-Fankurve tobte, Zigtausende strömten zum Podium – bewegende "Momenti Motori".

Nah am Piloten

Vom Underdog zum umjubelten Italo-Champion: Es sind solche Storys, die den Mythos feiern – und den Zulauf zum Motorsport weiter befeuern; Träume, die für Fans an der Rennstrecke Wirklichkeit werden. Der Kontakt zur eigenen Community wird direkt gepflegt. Die Protagonisten sind greif- und wirklich sichtbar. Abschottung am Asphalt? Fehlanzeige! Der Glücksmoment: Weekend Magazin darf selbst Minuten vor dem Rennen auf die Start-Ziel-Gerade: Mitten unter den Teams und den Grid Girls erfährt man, wie sich Rossi vorbereit hat: in der Hocke, mit Trinkhalm – absolut konzentriert.

Zahlen & Fakten

  • Zuschauerhype: In der Saison 2018 waren insgesamt 2.884.242 Fans an den Rennstrecken – ein neuer Rekord.
  • Starterfeld 2019: 22 Piloten in 11 Teams von 6 Herstellern: Greenhorn in der Königsklasse ist Joan Mir (21). Der Oldie: Valentino Rossi (40).
  • Teurer Turbo Eine MotoGP-Maschine schafft bei 260 PS mittlerweile knapp 360 km/h. Das 157 Kilo schwere Teil ist ab 2 Millionen Dollar zu haben.

Short Talk

Alex Hofmann, Ex-MotoGP-Pilot & ServusTV-Experte

Alex Hofmann
Foto: www.neumayr.cc

Weekend: Der Mythos Mugello ist um ein Kapitel reicher ...

Alex Hofmann: Absolut. Mugello ist so was wie der Mount Everest der MotoGP. So ein Gipfel wird für Danilo Petrucci wohl nie wieder kommen. Hier in der Toskana ist für ihn ein absoluter Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Und die Massen am Circuit und vor den Bildschirmen konnten das miterleben. Ein Maximum an Emotionalität für den Motorsport. Mehr geht fast nicht.

Weekend: Was bewegt diese Saison die rot-weiß-rote Fangemeinde?

Alex Hofmann: Unsere Quoten bei ServusTV beweisen: MotoGP ist richtig geil geworden. Was KTM mittlerweile mit seinem Partner auf die Beine stellt, bewegt zusätzlich. Für den Red Bull Rookies Cup bin ich leider zu früh geboren. Das nervt mich ein bisschen. Denn ganz ehrlich gesagt: Ein deutschsprachiger Fahrer, der auch ums Podium mitfahren kann, wäre jetzt noch toll.

Weekend: Fehlt damit ein Stim- mungsmacher in Spielberg?

Alex Hofmann: Sicher nicht. Es sind viele tolle Charaktertypen am Start mit denen sich die Fans identifizieren.

Weekend: Dein Tipp: Wer wird heu- er wohl Weltmeister?

Alex Hofmann: Ganz klar Marc Marquez. Leider!