Einer der erfolgreichsten heimischen Schauspieler aller Zeiten: Klaus Maria Brandauer Foto: Ernst Kainerstorfer

Weekend: Sie haben kürzlich bei den Nibelungenfestspielen in Worms als Hagen brilliert. Gibt es bereits neue Film- oder Theaterprojekte?

Klaus Maria Brandauer: Zunächst werde ich am 13. Oktober in der Grazer Oper Dietrich Bonhoeffer lesen, worauf ich mich schon sehr freue. Und dann drehe ich zwei Filme. Ich kann dazu nur so viel sagen, dass ich bei einem der Filme mit dem großartigen Regisseur István Szabó, mit dem ich unter anderem "Mephisto" gemacht habe, zusammenarbeite. Nächstes Jahr geht's dann wieder ans Theater.

Weekend: Dietrich Bonhoeffer begleitet Sie seit vielen Jahren. Was fasziniert Sie so an ihm?

Klaus Maria Brandauer: Bonhoeffer war evangelischer Theologe und hat seinen Glauben sehr konsequent gelebt. Innere Haltung und Handeln waren bei ihm in hoher Übereinstimmung. Das brachte ihn ganz automatisch in Widerstand gegen das Naziregime.

Weekend: In unserer Zeit wird viel über die Verrohung der Gesellschaft diskutiert. Hat dies auch mit dem Verlust des Glaubens zu tun?

Klaus Maria Brandauer: Ja, ganz sicher, das ist ein großer Verlust. Ich bin ja selbst ein gläubiger Mensch. Ich denke, dass der Glaube einem sozusagen einen guten Kompass verleiht. Ein solcher ist auch heute ganz wichtig. Was mich sehr bedrückt, ist die Art und Weise, wie sich in den letzten Jahren der öffentliche Diskurs in der Politik gewandelt hat. Als wäre das ein Bandenkrieg, in dem es darauf ankommt, gegensätzliche Positionen irgendwie wegzukämpfen.

Weekend: Apropos Bandenkrieg. Haben Sie eigentlich die Fernsehduelle zur Nationalratswahl mitverfolgt?

Klaus Maria Brandauer: Selbstverständlich schaue ich mir das an. Es gibt ja da einen sehr dummen und gleichzeitig hochpolitischen Satz: Ich interessiere mich nicht für Politik. Am demokratischen Prozess aktiv teilzunehmen ist zwar freiwillig, aber manchmal eben notwendig. Jede Stimme, jedes Engagement, jedes Einmischen zählt.

weekend: Fällt im öffentlichen Diskurs Künstlern eine besondere Rolle zu?

Klaus Maria Brandauer: Wir Künstler sind nichts Besonderes, erreichen mit unseren Positionen aber mehr Menschen. Was wir auf jeden Fall tun müssen, ist, die Demokratie mit allen Mitteln zu verteidigen. Da müssen die Parteien auch wieder stärker an einem Strang ziehen.

Weekend: Der Kompromiss, eine gute alte österreichische Tradition, scheint mittlerweile aber verpönt zu sein.

Klaus Maria Brandauer: Das darf er aber nicht sein, sonst können wir ja nicht miteinander leben. Das ist lächerlich. Selbstverständlich müssen wir im Reden bleiben. Es sollte auch keine Partei verteufelt werden, es sei denn, sie richtet sich gegen das Menschsein, die Gleichheit und die Demokratie. Dann müssen wir uns freilich mit allem, was wir haben, zur Wehr setzen.

Weekend: Kommen wir von der großen Politik wieder zur Person Brandauer. Sie haben viele historische Rollen gespielt. Wie sehr beschäftigen Sie sich mit ihrer eigenen Geschichte?

Klaus Maria Brandauer: Zu meinem Leidwesen bin ich ein unerbittlicher Kontrolleur meiner selbst. Das geht mir manchmal sehr auf die Nerven. So mache ich es mir oft sehr schwer, Entscheidungen zu treffen.

Weekend: So wie damals, als Sean Connery Sie überreden musste, im Bond-Film mitzuspielen?

Klaus Maria Brandauer: (lacht) Ja, so ähnlich. Ich habe mich damals zunächst geärgert, weil man mir nach "Mephisto" eine Operette, denn nichts anders ist James Bond, angeboten hat. Connery hat dann aber gemeint: "We will have a lot of money and a lot of fun." Das hat mich überzeugt. Heute bin ich natürlich froh, dass ich das damals gemacht habe.

Weekend: Mit Christoph Waltz sorgt nun wieder ein Österreicher in den USA für Furore. Verfolgen Sie seine Karriere?

Klaus Maria Brandauer: Ja, selbstverständlich, großartiger Schauspieler. Ich kannte ihn schon, lange bevor er nach Amerika gegangen ist.

Weekend: Hätten Sie auch mal gerne einen Film mit Quentin Tarantino gemacht?

Klaus Maria Brandauer: Jederzeit. Das ist ein ganz atem­beraubender Zeitgenosse. Es hat sich halt nie eine Zusammenarbeit ergeben.

_EK_7515_ergebnis.JPG
Foto: Ernst Kainerstorfer

Zur Person

Klaus Maria Brandauer wurde am 22. Juni 1943 als Klaus Georg Stengg in Bad Aussee, wo er noch heute lebt, geboren. Er ist seit 1972 Ensemblemitglied am Burg­theater. In der Folge spielte er von Hamlet bis König Lear alle wichtigen Theater-Hauptrollen. Von 1983 bis 1989 glänzte er als Jedermann in Salzburg. International schaffte Brandauer den Durchbruch mit der Hauptrolle in der Klaus Mann-Verfilmung "Mephisto". Es folgten Filme wie "Sag niemals nie" (mit Sean Connery), "Oberst Redl" und "Jenseits von Afrika" (mit Robert Redford und Meryl Streep), der ihm auch einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung einbrachte.