Unverwechselbar: Karl Lagerfeld 2013 Foto: Jan Woitas/EPA/picturedesk.com

Aus Anlass seines 85. Geburtstags am 10. September darauf angesprochen, was nach seinem Tod mit seinen sterblichen Überresten geschieht, antwortet Karl Lagerfeld, dass seine Asche mit der seiner Mutter gemeinsam verstreut werden soll. Und falls seine Katze Choupette bis dahin das Zeitliche gesegnet hat, ihre Asche dazu.

Keine Angst vorm Lehrer

Auch wenn Elisabeth Lagerfeld vor 40 Jahren starb, lebt sie in unzähligen Anekdoten und Zitaten munter weiter. Sie alle belegen: Wo immer sie auftauchte, hinterließ sie einen bleibenden Eindruck. Vermutlich auch bei jenem Lehrer, der kurz nach Kriegsende anregte, ihrem Sohn Karl doch einmal die Haare zu schneiden. Im Gespräch mit der Tageszeitung Die Welt erinnert sich Lagerfeld an diese Episode aus seiner Kindheit: "Da ist meine Mutter an ihn herangetreten, hat den Schlips genommen, ihn in sein Gesicht geworfen und gesagt: 'Wieso? Sind Sie noch Nazi?'"

Karl Lagerfeld
Karl Lagerfeld 1976 Foto: Jean-Régis Roustan/AFP/picturedesk.com

"Männer sind unwichtig"

Überhaupt das Thema Kinder und Erziehung - und legendäre Aussagen wie diese: "Ich habe nicht einen Dosenmilchfabrikanten geheiratet und stille dann meine Kinder." Oder: "Weißt du, man kann sich von jedem Mann ein Kind machen lassen, Männer sind unwichtig." Nicht zuletzt aufgrund derlei Aussagen dachte einst eine bekannte Feministin in ihr eine Gleichgesinnte gefunden zu haben. Elisabeth Lagerfeld dementierte - auf ihre Art: "So hässlich war ich nicht."

Unerschrocken und schlagfertig

Ihr Sohn schmunzelt, wenn er Sätze wie diese zitiert. Aufgewachsen in begüterten Verhältnissen in Hamburg (und während der Kriegsjahre im nahegelegenen Bad Bramstedt) entwickelt er bereits früh seine Talente in einer kultivierten und weltoffenen Umgebung. Sein Vater führt erfolgreich die Geschäfte der Fabrik Glücksklee, beherrscht neun Sprachen, fährt wunderschöne Autos und kleidet sich stilvoll. Seine 17 Jahre jüngere Frau Elisabeth beeindruckt durch Haltung, Unerschrockenheit und Schlagfertigkeit. "Alle mussten alles für sie tun – und sie tat für niemanden etwas. Und hinterher haben wir uns alle auch noch dafür bei ihr bedankt", so Lagerfeld in einem Vogue-Interview.

Karl Lagerfeld
Karl Lagerfeld 1987 Foto: Pierre Guillaud/AFP/picturedesk.com

Von Hamburg nach Paris

Sie war es denn auch, die ihn darin bestärkte, 1952 nach Paris zu übersiedeln, denn: "Hamburg ist das Tor zur Welt. Aber du musst auch durchgehen". Obwohl selbst belesen, stand für Elisabeth Lagerfeld ohnehin außer Frage: "Man muss wissen, wie das Leben funktioniert. Alles andere steht im Lexikon."

Karl Lagerfeld
Karl Lagerfeld 1994 Foto: Rolf Rick/dpa/picturedesk.com

Wie Karl zu seinem Zopf kam

Ihr Sohn Karl hat beides geschafft: sich ein enormes Wissen durch Lektüre erworben - und gelebt. Wie beeindruckt sie von seiner Karriere als Designer war, weiß nur er. Unstrittig ist, dass sie mit ihrer Kritik nie hinterm Berg hielt - ganz gleich, wie erfolgreich er war. Gegenüber der FAZ schilderte er, wie ihm 1976 die Idee zu seiner legendären Zopffrisur gekommen war - woran seine Mutter nicht unbeteiligt gewesen sein dürfte: "Meine Haare gingen in Locken hoch, wenn ich sie nicht abschnitt. Meine Mutter sagte: 'Du siehst aus wie eine alte Terrine' - weil deren Henkel ja auch nach oben abstanden." Ob die neue Frisur Frau Lagerfeld besser gefallen hat, ist nicht bekannt. Sie starb zwei Jahre später im Alter von 81 Jahren.

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Karl Lagerfeld 2001 Foto: Vanina Lucchesi/AFP/picturedesk.com