Die 41-jährige Holländerin Sylvie Meis ist der Prototyp der Businesslady Foto: Chris Emil Janßen/Action Press/picturedesk.com

Alle Welt spricht über Influencer. Auf Instagram führen sie vor, wie sie sich schminken, kleiden, wohin sie reisen und was sie essen. Influencer entscheiden bis ins kleinste Detail selbst, was sie von sich zeigen möchten. Bestimmen den Bildausschnitt, greifen zu Filtern und Apps, um sich im besten Licht zu präsentieren. Erst wenn ihre Bilder perfekt sind, veröffentlichen sie das Ergebnis. Und dann gibt es Frauen wie Sylvie Meis. Sie leben ebenfalls von der Öffentlichkeit – aber das live, mit Haut und Haar. Sie schreiten über rote Teppiche, umsorgen wichtige Kunden auf Firmenevents, halten Sonnenbrillen, Beautydrinks oder Schokoriegel in die Kameras. Sie sind umschwärmt und begehrt, aber vor allem eins: Deko.

Attraktiv ist gefragt

Das heißt keinesfalls, dass diese Selfmade-Unternehmerinnen nichts außer ihrem Aussehen zu bieten hätten. Ohne Charme, Humor und Allgemeinbildung lässt sich so ein Job nicht machen. Bestes Beispiel ist Verona Pooth (51), früher Feldbusch – lange narrte sie als vermeintliches Dummchen mit Quietschstimme und kreativer Grammatik das Publikum. Heute hält die toughe Geschäftsfrau wohl niemand mehr für dumm. Dennoch hat sie alles ihrem Aussehen zu verdanken, das weiß sie selbst am besten. Doch was ihr als junger Frau noch mühelos gelingt – Auftritte mit perfekter Figur, makelloser Haut, glänzendem Haar –, fordert mit den Jahren immer mehr Einsatz. Verona Pooth: "Ich laufe keinem Alter hinterher. Ich will die Verona bleiben, die man kennt. Aber man soll nicht irgendwann sagen: Damals sah sie noch gut aus!" Für Beauty-Ikonen wie Verona oder Sylvie Meis (41) ist deshalb ein hartes Sportprogramm ein Muss. Die Holländerin über ihr Workout: "Ich trainiere sieben Tage die Woche einen Mix aus hoch-intensivem Intervalltraining, Übungen mit Eigengewicht, unzähligen Sit-ups und EMS (Training mit Stromimpulsen)." Die vorherrschende Ernährungsform in der Branche: Low- bis No-carb und eiweißreich, Alkoholkonsum: null bis wenig, die Besuche bei Stylisten, Friseuren und Beauty-Docs: zahlreich. Wobei wir bei der Frage wären: "Hat die was machen lassen?"

Optimale Gesichtszüge

Dabei lässt sich diese Frage ganz leicht beantworten: Ja, hat sie! Im Jahr 2019 behauptet kaum eine der Berufs-Beautys mehr, sie hätte ihr Aussehen nur ausreichend Wasser und Schlaf zu verdanken. Die häufigste Reaktion ist heute ein missmutiges Abwinken à la Sylvie Meis: "Es nervt, dass in heutigen Zeiten noch über Botox diskutiert wird. Jede soll das selbst entscheiden." Einige – und es werden immer mehr – stehen offen zu Eingriffen. Charlotte Würdig etwa, Moderatorin, Fitness-Unternehmerin und Ehefrau von Rapper Sido, kommentierte ihr verändertes Aussehen Anfang des Jahres so: "Ja, ich hab was spritzen lassen. Wow. Ich finde, es wird höchste Zeit, dass wir alle mal darüber reden." Fiese Instagram-Kommentare ("Du siehst aus wie ein Zombie.") quittierte die 40-Jährige mit einem Werbevertrag – Kunde: eine Schönheitsklinik.

Es gibt viel zu tun

Der "Nachteil" von Botox und Hyaluron: Die Wirkung hält nicht ewig an, Behandlungen sind etwa alle drei Monate fällig. Und so müssen die Profi-Beautys schon beim Verlassen der Ordination den nächsten Termin in der Tasche ­haben. Dabei ist ihr Kalender schon gedrängt voll: Maniküre, Pediküre, Gesichtsbehandlung. Augenbrauenformen und -färben, Wimpern auffüllen und verlängern, Härchen weglasern. Zahnbleaching, Bindegewebsmassagen und Kryotherapie gegen Fettdepots. Und dann der Aufwand um die Haare! Bei langen Haaren kann eine Balayage-Coloration locker sechs bis acht Stunden in Anspruch nehmen – vom Schneiden und Stylen ganz zu schweigen. Einen Bad Hair Day können sich Sylvie, Rebecca und Co. nicht leisten.

Sie lieben ihren Beruf

"Ungeschminkt gehe ich nie ohne Sonnenbrille vor die Tür, denn dort lauern oft Fotografen", sagt Sylvie Meis. "Es ist mein Job, immer top auszusehen. Dafür arbeite ich hart." Man könnte fast Mitleid haben, wenn, ja, wenn sich die Schönen und Begehrten ihr Schicksal nicht selbst ausgesucht hätten. Verona Pooth im Wirtschaftsmagazin "Capital": "In meiner finanziellen Situation muss ich mir um die Zukunft keine Sorgen machen. Aber im Herzen bleibe ich Unternehmerin und will noch viele Jahre weiter arbeiten."

4 Dinge, die für Beauty-Profis ein Muss sind

  • Toughes Training: Wer mit seinem Aussehen sein Geld verdient, hat selbstverständ­lich einen Personal Trainer. Verona Pooth ließ sich jahrelang von Steven Wilson in den Allerwertesten treten – er bastelt derzeit an einem eigenen Fitnessimpe­rium. Wenn Studio, dann edel, wie die Aspria Clubs oder die John Harris-Clubs in Österreich.
  • Perfekte Zähne: Längst sind makellose Zähne ein Statussymbol geworden. Sie machen halt auch gleich um einige Jahre jünger. Die Zielgruppe der Reichen und Schönen hat z. B. Dr. Milan Michalidis mit seiner Ordination vor den Toren Bremens im Visier: mit edelstem Interieur und Events, bei denen sich Profifußballer, Influencer und Moderatorinnen die Klinke in die Hand geben.
  • Eigene Visagistin: Sylvie Meis und ihre Visagistin Serena Goldenbaum sind seit Jahren ein Dreamteam: Goldenbaum sorgt für den berühmten Sylvie-Glow, die Meis rührt die Werbetrommel für Goldenbaums "Make-up & Stylebar" in Hamburg. Sehenswert: die gemeinsamen Make-up-Tutorials auf YouTube.
  • VIP-Coiffeure: Für die unter Dauerbeobachtung stehenden Promis ist der Friseur mehr als nur ein Dienstleister. Das Berliner Urgestein Udo Walz (75) hat in fünf Jahrzehnten eine schillernde Klientel um sich geschart, die sich never ever die Haare von jemand anderem "machen" lassen würde. Sein Konkurrent in der deutschen Hauptstadt ist Shan Rahimkhan (48) – er hat sein Handwerk in Wien erlernt. Die Preise? Gar nicht so schlimm. Das Problem ist eher, einen Termin beim Meister zu ergattern. Bei uns pilgern die VIPs zu Sturmayr Coiffeure (Salzburg, Kitzbühel), No. 11 Hairsalon, Ultimativ Group (Wien), Lepschi & Lepschi (Linz), Dieter Ferschinger (Graz) und Kuss & Kuss (Klagenfurt).