Meg Ryan unterwegs in ihrer Wahlheimat New York Foto: Adam Nemser/Action Press/picturedesk.com

Meg Ryan (56) spielte sich mit romantischen Komödien in unsere Herzen - ein Filmgenre, das im Vergleich zu den Neunzigern heute eher ein Nischendasein fristet. Als das "All American Girl" mit dem Schmollmund den Hollywood-Bossen zu alt wurde, knickte Meg Ryans Karriere ein. Die Schauspielerin verließ Hollywood und zog nach New York. Von dort aus will sie die totgeglaubte RomCom wiederbeleben - als Regisseurin und Produzentin, wie sie uns im Interview verriet.

Weekend: Seit Sie von den Leinwänden verschwunden sind, hat sich viel getan in Hollywood. Ist in Zeiten von #metoo ein so abruptes Karriereaus, wie es damals bei Ihnen war, noch möglich?

Meg Ryan: Ich glaube, die #metoo-Bewegung wird tatsächlich etwas verändern in Hollywood - und an der Gesellschaft. In gewisser Weise war das Aufbrechen der Machtstrukturen Hollywoods auch eine Reaktion auf die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten. Das Pendel wird sich irgendwann wieder in der Mitte einpendeln. Und dann ist es wichtig, dass es bleibende Veränderungen für die Frauen in der Branche und im ganzen Land gibt.

Weekend: Haben Sie selbst auch Sexismus erlebt?

Meg Ryan: Eher in Zwischentönen. Es gab bei mir keine große Missbrauchsgeschichte. Der Sexismus ist in Hollywood stark verankert, auch in der Darstellung von Frauen in Filmen. Am Ende wird die Nachfrage entscheiden, welche Filme gedreht werden und welche nicht.

Weekend: Jane Campion versuchte 2003 mit "In the Cut", einem erotischen Thriller, Ihr Rollenklischee zu brechen. Das hat nicht funktioniert.

Meg Ryan: Ich empfand diese Rolle als Befreiungsschlag. Aber der Film wurde in der Luft zerrissen. Da wurde mir klar, wie sehr sich das Rollenbild meiner Figuren in den Köpfen des Publikums festgesetzt hatte. Und ich hatte damals wirklich genug von der Filmwelt. Ich war müde und genervt. Zu Anfang deiner Karriere findest du es in Ordnung, wenn alle an dir herumzupfen und um dich herumwuseln. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem du denkst: Lasst mich alle einfach nur mehr in Ruhe! Damals war ich an diesem Punkt.

Weekend: Sie sind dann von Los Angeles nach New York gezogen.

Meg Ryan: In New York konnte ich besser in der Anonymität leben als in Los Angeles. Es war eine wichtige Entscheidung, ich konnte Mutter sein, hatten einen normalen Alltag. Ich musste nichts mehr über mich in der Zeitung lesen.

Weekend: Wie belastend kann ein Leben in der Öffentlichkeit sein?

Meg Ryan: Es hängt davon ab, wie sehr du es an dich heranlässt. Wenn ich jungen Schauspielern einen Ratschlag geben soll, dann diesen: Nimm nichts persönlich und lies keine Kritiken über deine Arbeit. Man braucht einen harten Schutzpanzer für ein Leben in der Öffentlichkeit.

Weekend: Ist das Genre, das Sie berühmt gemacht hat, inzwischen überholt?

Meg Ryan: Das Genre steckt in einer Krise, aber ich bin überzeugt, dass sich diese Krise schnell legen wird. Denn der Liebesfilm verhandelt ja einen integralen Bestandteil des Daseins: das Verliebtsein. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemals überholt sein könnte.

Weekend: Kritiker stehen der romantischen Komödie immer skeptisch gegenüber. Warum, denken Sie?

Meg Ryan: Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil es darin kein Drama per se gibt, sondern weil es um die wahre Liebe geht, die ein sehr romantisches Konstrukt ist. Ich bin immer noch romantisch genug, um an den Erfolg neuer RomComs (Romantic Comedies, Anm.) zu glauben. Ich bereite gerade meine nächste Regiearbeit mit dem Titel "The Book" vor, eine romantische Komödie, die auch unsere Zeit reflektiert.

Weekend: Ist der Wechsel hinter die Kamera eine Versöhnung mit der Filmwelt auf der anderen Seite?

Meg Ryan: Vielleicht. Für mich ist es aber auch wichtig gewesen, aus der ersten Reihe zu verschwinden. Sich um ein Taxi zu bemühen, anstatt einen Fahrer zu haben. Als Star entwickelst du bald das Gefühl einer Leere, weil sich dein Gegenüber vor dir immer anders gibt als es in Wirklichkeit ist. Da ist nichts Echtes. Auch deshalb hatte ich irgendwann genug vom Leben im Rampenlicht.

Zur Person

Meg Ryan galt in den 90ern als Idealbesetzung in romantischen Komödien. Heute steht das einstige All American Girl als Regisseurin lieber hinter der Kamera.