Weekend-Wahlspaziergang mit Manfred Juraczka Foto: WEEKEND MAGAZIN

Weekend: 2010 erreichte die ÖVP bei den Wahlen knapp 14 Prozent. Warum sollen es am 11. Oktober mehr werden?

Manfred Juraczka: Weil ich überzeugt bin, dass es in Wien mehr Bürgerliche als diese 13,9 Prozent gibt. Und wir brauchen bei den derzeitigen Problemen dringend bürgerlichen Hausverstand. Wien hat jetzt lange genug über das Parkpickerl und die Mariahilfer Straße diskutiert, und dabei vergessen, dass wir 150.000 Arbeitslose haben. Wir müssen Unternehmen ansiedeln, die Verschuldung in den Griff bekommen, etc. Es hat unter Rot-Grün keine Akzente gegeben und die fordern wir vehement ein.

Weekend: Sie haben kürzlich „50 Projekte für Wien“ vorgestellt. Welche sind Ihnen am wichtigsten?

Manfred Juraczka: Mein Herzensanliegen ist es die U-Bahn bis an die Stadtgrenze auszubauen. Unser größtes Problem sind die vielen Einpendler. Wenn wir es schaffen, diese in Park & Ride Anlagen am Stadtrand abzufangen, würde das der Stadt viel Lebensqualität bringen.  

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Weekend: Überplattung der U4 bei Meidling und mehr Fuzos. Hat man sich Ideen bei den Günen abgeschaut? 

Manfred Juraczka: Neue Begegnungszonen und mehr Grünraum sind keine rein grünen Themen, sondern Dinge, worüber sich alle Parteien Gedanken machen. Ich bin auch für Verkehrsberuhigung, aber Tempo 30 auf vierspurigen Durchzugsstraßen ist ein Schwachsinn. Im Umfeld von Schulen und Wohngegenden macht das aber durchaus Sinn.

Weekend: Die  ÖVP war einer der schärfsten Kritiker der Grünen beim Projekt  Mariahilfer Straße. Was sagen Sie heute dazu?

Manfred Juraczka: Ich war und bin nach wie vor der Meinung, dass es Querungen zwischen Westbahnhof und Zweier-Linie braucht. Das ist ja kein Schutzwall. Die Querungen sind nach wie vor nicht realisiert, obwohl sich die Anrainer dafür ausgesprochen haben. 

Weekend: Haben Sie mehr Kritikpunkte an Rot-Grün?

Manfred Juraczka: Ja, zB. die verfehlte Wirtschafts- und Verkehrspolitik. Die Autofahrerschikane muss endlich beendet werden. Wir wollen mit Angeboten zum Umsteigen motivieren, und nicht mit Verboten. Man hat in vielen Bereichen Untätigkeit bewiesen und sich lieber mit singenden Kanaldeckeln oder der Farbe von Radwegen beschäftigt. Der Arbeitsmarkt wurde einfach ignoriert. In den letzten fünf Jahren gab es dazu keine mediale Aussage von Maria Vassilakou, das ist eine Bankrotterklärung. 

Weekend: Drei Dinge, die Sie umsetzen würden, wären Sie Wiener Bürgermeister?

Manfred Juraczka: Ich würde ein Paket schnüren, um den Arbeitsmarkt zu stimulieren. Ich würde in der Verwaltung sparen, um den Menschen nicht permanent höhere Gebühren aufzubrummen. Und ich würde die Autofahrerschikane beenden.

Weekend: Wo würden Sie genau einsparen?

Manfred Juraczka: Der Durchschnitt der öffentlichen Bediensteten in der Stadt Wien geht mit rund 54 Jahren in Frühpension. Das kostet strukturell pro Jahr rund 200 Millionen Euro. Die Stadt muss ein besserer Arbeitgeber werden. Die Leute sollen wieder gerne arbeiten.

Weekend: Leistbares Wohnen in Miete oder Eigentum ist eine Ihrer Forderungen. Wie soll das realisiert werden?

Manfred Juraczka: Die Frage ist, ob der soziale Wohnbau in Wien wirklich soziale Treffsicherheit hat. Wir fordern nach zehn Jahren im Gemeindebau einen Einkommenscheck. Und: Es gibt in Wien keinerlei gefördertes Eigentum. Das geht nicht.

Weekend: Wie sehen Sie die Chancen ohne Frau Stenzel im ersten Bezirk?

Manfred Juraczka: Ursula Stenzel hat einen guten Job gemacht. Wir lehnen beide die Rot-Grüne Politik in Wien ab und wollen im ersten Bezirk weder einen roten noch einen grünen Vorsteher. Wenn man das so sieht, sollte man alle Kräfte bündeln, um es auch zu verhindern.

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